Krypto-Vermögen der Bundesrepublik aufgedeckt: So viele Bitcoins lagern bei deutschen Behörden

Redaktion finanzen.net

17.11.2023 06:04

Pasuwan / Shutterstock.com

Längst haben sich Bitcoins bei vielen Transaktionen als ein gängiges Bezahlmedium etabliert. So rief beispielsweise die Ukraine nach der russischen Invasion dazu auf, Spenden in Form von Kryptowährungen zu überweisen. Millionenbeträge kamen so zusammen. Neue Daten zeigen, dass auch deutsche Behörden Kryptos besitzen. Wie hoch sind die Bestände der Bundesrepublik?

• Viele Spender schickten Krypto-Bestände in die Ukraine - nicht aber der deutsche Staat
• Mehrere Bitcoins sind im Besitz deutscher Behörden
• Viele Bitcoins wurden im Zuge von Strafprozessen eingezogen

Viele Bitcoins sind im Besitz von einzelnen Investoren und privaten Körperschaften. Insbesondere stechen hierbei die Großinvestoren mit mehr als 1.000 Bitcoins, im Krypto-Jargon "Whales" (Wale) genannt, hervor. Jedoch gibt es zunehmend große Organisationen und auch Staaten, die sich mit der Ur-Kryptowährung eindecken. So soll China nach "BTC-ECHO"-Schätzungen Bitcoins im Wert von 6 Milliarden US-Dollar hodlen. Erwiesenermaßen hat auch die Bundesrepublik Bitcoins in ihrem Portfolio, beteiligte sich aber wohl nicht an den Krypto-Millionenspenden an die Ukraine.

Krypto-Spenden in Millionenhöhe an die Ukraine - Deutscher Staat beteiligt sich nicht

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 bittet die ukrainische Regierung rund um Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj um Spenden, die explizit auch in Kryptowährungen bezahlt werden können. Laut Angaben von "Basic Thinking" sind auf diese Weise bis Mitte Januar 2023 bereits Token im Wert von etwa 270 Millionen US-Dollar gespendet worden.

Um herauszufinden, ob auch die deutsche Bundesrepublik Spenden per Token durchgeführt hat, stellte die Fraktion der Alternative für Deutschland (AfD) Ende November eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung. Die Regierungsvertreter lieferten eine klare Antwort: "Die Bundesregierung hat sich zu keinem Zeitpunkt seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine an Krypto-Spenden an die Ukraine beteiligt", wie "Basic Thinking" die deutsche Regierung zitiert. Vielmehr wolle die Bundesregierung den "Menschen in der Ukraine mit Geldspenden oder Sachspenden wie warmer Kleidung, Decken und Schlafsäcken" helfen, da sie diese Spenden für direkter und effektiver verwertbar hält.

Allgemein verwende die Bundesregierung keine digitalen Tokens für Zahlvorgänge: Nach eigener Aussage habe die Bundesregierung auch an andere Staaten oder nichtstaatliche Empfänger keine Kryptowährungen gespendet. Außerdem habe die Bundesregierung bislang auch noch nicht zu Spenden in Form von Bitcoin, Ether und Co. aufgerufen.

Deutsche Behörden besitzen viele Bitcoins

Doch obwohl die Bundesregierung den Internetwährungen offensichtlich äußerst skeptisch gegenübersteht, besitzen deutsche Behörden dennoch ein nicht unbeträchtliches Krypto-Vermögen, wie zuletzt öffentlich wurde. Ein zweiter Teil der AfD-Anfrage kreiste nämlich um die Frage, wie viele Bitcoins sich im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland befinden. Der Antwort auf die Anfrage zufolge besitzen "ausgewählte Bundesbehörden" 31,41954211 Bitcoins (Stand: Mitte Januar 2023). Das sind bei einem aktuellen Bitcoin-Kurs von 34.265 Euro je Token umgerechnet rund 1.076.590 Euro. "Der Erwerb und die Verwaltung finden zum Beispiel über die Handelsplattform Bitcoin.de statt", gibt die Regierung in ihrem Statement Auskunft. In der Antwort wird zudem betont, dass der Kauf von Bitcoins ausdrücklich nicht für Investitionszwecke erfolgt sei.

Darüber hinaus gibt es eine weitere wichtige Quelle von Bitcoins: Viele Tokens wurden nämlich im Rahmen von Strafprozessen beschlagnahmt. So besaßen deutsche Justizbehörden im Januar 38,66446619 Bitcoins (umgerechnet gut 810.000 Euro). Zusammengerechnet mit den 31,42 Bitcoins aus eigenen Ankäufen übersteigt das Krypto-Vermögen des deutschen Staates mit circa 1,45 Millionen Euro deutlich die Millionengrenze. Neben der Ur-Kryptowährung befinden sich die deutschen Bundesbehörden im Besitz von weiteren Tokens, wie beispielsweise 14,71 Ether, 269,21 Monero oder 6.856 Dogecoins. Der Statistik zufolge machen Bitcoins aber zweifelsohne den Löwenanteil des Krypto-Vermögens der Bundesbehörden aus.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) verweigerte allerdings eine Aussage über seine Krypto-Bestände. "Eine Offenlegung der angefragten Informationen birgt die Gefahr, dass Einzelheiten zur konkreten Methodik und zu in hohem Maße schutzwürdigen spezifischen Fähigkeiten des BND bekannt würden", lautet es in einer Erklärung des deutschen Geheimdienstes. So kann nur darüber spekuliert werden, wie weit der BND in den Krypto-Space vorgedrungen ist und ob dieser dort selbst als Handelsakteur auftritt.

Gründe für Bitcoin-Besitz der Bundesbehörden

Unweigerlich stellt sich die Frage, wie die Bitcoins in den Besitz der deutschen Behörden kommen konnten, obwohl die Regierung doch jeglichen Zahlungsverkehr mit Kryptowährungen ablehnt. Die Bundesregierung erklärt den Bitcoin-Bestand mit Ankäufen, die im Jahr 2015 begonnen wurden. Wer, wo, und warum diese "Ankäufe" tätigte, wird nicht weiter erläutert. Der FDP-Bundeabgeordnete Frank Schäffler hält es für möglich, dass Krypto-Assets im Zuge von Ermittlungsverfahren gehalten wurden: "Das erklärt, warum seit 2015 nicht nur fast 39 Bitcoin beschlagnahmt wurden, sondern beispielsweise auch der Privacycoin Monero", zitiert "BTC-ECHO" den Politiker. Schäffler, der ein großes Interesse für den Krypto-Sektor aufweist, relativiert aber die Höhe der Krypto-Bestände von deutschen Bundesbehörden: "Insgesamt ist das beschlagnahmte Kryptovermögen seit 2015 von umgerechnet 70 BTC - knapp 1,4 Millionen Euro aktuell - nicht viel. Zum Vergleich: 2021 hat alleine Nordrhein-Westfalen 215 beschlagnahmte Bitcoin (über Kurswert) versteigert."

In Anbetracht der Tatsache, dass der gesamte Kryptomarkt eine Marktkapitalisierung von 1,4 Billion aufweist, sind die Assets der deutschen Bundesbehörden in ihrer Bedeutung tatsächlich als marginal einzustufen. Ebenfalls erkenntnisreich ist der Vergleich mit dem deutschen Bundeshaushalt, der 2022 Ausgaben in Höhe von 419,8 Milliarden Euro vorsah.

Redaktion finanzen.net