Rennen um die Krone bei Bitcoin-Spot-ETFs: Diese Anbieter haben die Nase vorn

Redaktion finanzen.net

09.02.2024 22:19

Sadi-Santos / Shutterstock.com

Vor rund einem Monat hat die SEC die ersten Bitcoin-Spot-ETFs genehmigt. Anbieter wie Grayscale, BlackRock, Fidelity & Co. kämpfen darum, sich die Krone in diesem Gebiet aufzusetzen. Neue Daten zeigen wenig überraschende Ergebnisse.

• Grayscale, BlackRock und Fidelity unter Top-Anbietern von Bitcoin-Spot-ETFs
• Daten von Bloomberg zeigen wenig überraschende Ergebnisse
• Spitzenposition weit abgeschlagen vor anderen Anbietern

Rund einen Monat ist es her, dass die ersten börsengehandelten Bitcoin-Fonds am 11. Januar genehmigt wurden. Das Rennen um die Spitzenposition unter den Anbietern hat begonnen - ein Kampf um Milliarden von Anleger-Geldern, die in Krypto-Investitionen fließen.

Neue Bloomberg-Daten überraschen wenig

Nun kristallisiert sich immer mehr heraus, wer dabei die Nase vorn hat. Neue Daten von Bloomberg zeigen, dass sich weit abgeschlagen auf Platz eins wie erwartet der Grayscale Bitcoin Trust (GBTC) mit einem großen Vermögensvorsprung von über 21 Milliarden US-Dollar befindet. Platz zwei konnte zuletzt BlackRock mit dem iShares Bitcoin Trust (IBIT) mit einem verwalteten Vermögen von etwa 2,77 Milliarden US-Dollar ergattern, während sich der Fidelity Wise Origin Bitcoin Fund (FBTC) mit rund 2,2 Milliarden US-Dollar auf Platz drei einfand. Diese verwalteten Vermögen sind jeweils größer als die gesamte Summe der Vermögen der darauffolgenden Anbieter: Auf Platz vier folgt der ARK 21Shares Bitcoin ETF mit 662 Millionen US-Dollar, der Bitwise Bitcoin ETF rangiert mit einem verwalteten Vermögen von 634 Millionen US-Dollar auf Platz fünf, gefolgt von dem Invesco Galaxy Bitcoin ETF auf Rang sechs mit 307 Millionen US-Dollar. Der VanEck Bitcoin Trust schaffte es mit einem verwalteten Vermögen in Höhe von 128 Millionen US-Dollar auf den siebten Platz, der Valkyrie Bitcoin Fund steht mit 115 Millionen US-Dollar auf Rang acht. Den vorletzten Platz nimmt der Franklin Bitcoin ETF mit 62 Millionen US-Dollar ein, während der WisdomTree Bitcoin Fund mit 11 Millionen US-Dollar auf dem letzten Platz der zehn Anbieter rangiert.

"Der Spot-Bitcoin-ETF-Bereich in den USA steckt noch in den Kinderschuhen, daher ist es schwierig, definitive Aussagen zu Trends zu machen. Allerdings gibt es erste Anzeichen dafür, dass Firmen wie BlackRock und Fidelity mit etablierten Marken und Vertriebskapazitäten einen Vorteil bei der Vermögensbeschaffung haben", zitiert WealthManagement.com Aniket Ullal, Vizepräsident, ETF Data and Analytics bei CFRA.

Fidelity vs. BlackRock

Das Ergebnis, das die neuen Bloomberg-Daten aufzeigen, sei etf.com zufolge wenig überraschend. Bei BlackRock, dem größten Vermögensverwalter der Welt und größten ETF-Emittent in den USA, sei es mehr oder weniger klar gewesen, dass er sich auch unter den Bitcoin-ETF-Anbietern weit oben positionieren würde. Und auch bei Fidelity, dem drittgrößten Brokerage-Unternehmen mit einem riesigen eigenen Verwaltungsgeschäft, sei es nicht wirklich überraschend, dass es ein relevanter Akteur sein würde.

"BlackRock und Fidelity verfügen sowohl über die Liquidität als auch über die Markenbekanntheit, die einige der anderen Emittenten nicht haben - insbesondere, wenn es um Privatanleger geht, die zögern, in eine aufstrebende Anlageklasse zu investieren", zitiert Bloomberg Roxanna Islam des ETF-Daten- und Analyseunternehmens VettaFi. "Es ist noch am Anfang des Rennens, aber ich denke, dass die Kluft zwischen BlackRock und Fidelity und den anderen Emittenten nur noch größer werden wird, je mehr ihr Volumen und ihre Vermögenswerte steigen."

Sumit Roy, leitender Analyst bei etf.com, erklärte daneben gegenüber Blockworks: "Der Vorteil von Fidelity besteht darin, dass es über eine riesige Basis an Privat- und Beraterkunden verfügt, die seine Maklerdienste nutzen, sodass es den ETF problemlos an sie weitergeben kann. Andererseits ist BlackRock der größte Vermögensverwalter der Welt und verfügt über große eigene Marketing- und Vertriebskompetenz".

David Lawant, Forschungsleiter beim Krypto-Prime-Brokerhaus FalconX, kam indes zu dem Ergebnis, dass die Wettbewerbslandschaft hart sei, insbesondere im Vergleich zu Gold-ETFs, die im November 2004 auf den Markt kamen: "Angesichts der Unterschiede in der Wettbewerbsdynamik bei der Einführung von [Bitcoin-]ETFs im Vergleich zu den vor fast zwei Jahrzehnten aufgelegten Gold-ETFs wäre ich nicht überrascht, wenn eine Gruppe von drei bis fünf Fonds den Löwenanteil der Vermögenswerte sammeln würde, vielleicht mit den ersten drei weit vom Rest der Gruppe entfernt". Lawants Fazit: "Der Hauptgewinner in diesem Rennen ist der Verbraucher, der letztendlich Produkte erhält, die Zugang zu Krypto zu einem äußerst wettbewerbsfähigen Preis bieten. Die Geschwindigkeit, mit der die Gebühren ihren jetzigen Stand erreicht haben, lässt darauf schließen, dass es beiden Unternehmen absolut ernst damit ist, ihre Präsenz im Kryptobereich zu etablieren".

Und auch Anthony Scaramucci, Gründer von SkyBridge, glaubt an BlackRock und Fidelity. Er sagte gegenüber Bloomberg Television: "BlackRock und Fidelity werden die beiden dominierenden Namen sein. Sie haben die größten Vertriebskräfte. Der Schwerpunkt der Finanzdienstleistungen liegt auf Vermögenswerten, und das sind zwei der größten Akteure im ETF-Bereich. Daher vermute ich, dass das die beiden Gewinner sein werden".

Kann Grayscale seine Top-Position verteidigen?

Unangefochten an der Spitze thront bislang aber GBTC. Bis etwa IBIT oder FBTC Grayscale den Rang ablaufen könnten, dürfte es - wenn überhaupt - noch eine ganze Weile dauern. Aber: Bis auf GBTC haben alle anderen Anbieter bislang Nettozuflüsse verzeichnen können. Bei Grayscale hingegen hätten Anleger seit der Umwandlung in einen ETF etwa 5,5 Milliarden US-Dollar aus GBTC abgezogen, wie aus den Daten von Bloomberg hervorgeht. etf.com zufolge hätten die meisten Anleger, die umsteigen wollten, dies bereits getan, die Abflüsse verlangsamten sich daher bereits. Erhebliche Zuflüsse seien in naher Zukunft aber auch unwahrscheinlich, da die Konkurrenz deutlich niedrigere Gebühren habe. Diese liegen Blockworks zufolge zwischen 0,19 und 0,30 Prozent - bei Grayscale allerdings bei 1,5 Prozent.

James Seyffart, einem Research-Analysten des Bloomberg Intelligence ETF, zufolge gebe es vor allem drei Hauptgründe, die vermutlich zu den GBTC-Abflüssen geführt hätten: "Das erste ist also, dass ... es Insolvenzen gab, hauptsächlich bei FTX, wahrscheinlich bei einigen anderen institutionellen Akteuren, deren Kapital in GBTC gebunden war" - die Umwandlung von GBTC in einen Spot-Bitcoin-ETF habe diesen Akteuren wohl die Möglichkeit gegeben, aus ihren Geschäften auszusteigen, ohne "bedeutenden" Abschlag. Als zweiten Grund nannte Seyffart: "Als die ETF-Genehmigung erfolgte, gab es wahrscheinlich eine Menge Leute, die einfach ihr Geld abzogen" - ganz nach dem Motto "buy-the-rumor, sell-the-news" (Anmerkung der Redaktion: zu deutsch "kaufe das Gerücht, verkaufe die Nachrichten"). "Und die dritte Gruppe von Menschen sind Menschen, die langjährige GBTC-Inhaber waren, überwiegend auf steuerbegüngstigten Konten, weil sie sich keine Sorgen um Kapitalgewinne machen müssen. Und GBTC erhebt eine Gebühr von 1,5 %, während die meisten der anderen (Spot-Bitcoin-ETFs) Gebührenbefreiungen haben und selbst nach Gebührenbefreiungen nur etwa 20 Basispunkte verlangen." Seyffart zufolge habe Grayscale "den Weg für die Markteinführung aller Spot-Bitcoin-ETFs geebnet", ob GBTC aber selber langfristig an der Spitze bestehen kann, sei fraglich.

Wer letztlich auf lange Sicht die Nase vorn haben wird, sei zum aktuellen Zeitpunkt noch unklar: "Es ist wirklich ein Schwergewichtskampf, der in beide Richtungen ausgehen kann", betonte Sumit. Auch Lawant schließt sich der Einschätzung an, dass es aktuell schwierig sei, den "ultimativen Spot-Bitcoin-ETF-Asset-Leader" vorherzusagen.

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